Der eingebaute Blitz der Kompaktkameras zu nahe am Objektiv befestigt, um das Bild gut auszuleuchten. Formen erscheinen platt, Glanz und Spiegelungen entstehen. Mit einem entfernten Blitz dagegen kann man Objekte noch plastischer erscheinen lassen. Um einen solchen Servoblitz sinnvoll verwenden zu können, muss man die Leistung des eingebauten Blitzes reduzieren. Man kann einfach eine Folie davorkleben, aber dann dauert es weiterhin viele Sekunden, bis der Blitz geladen ist. Außerdem wird so der Akku unnötig belastet.
Abhilfe schafft es, die Blitzstärke drastisch zu reduzieren. Leider geht das bei meiner Fujifilm F10 nicht per Einstellung, also musste ich zum Lötkolben greifen. Ab etwa 500 Euro gehört die Einstellung der Blitzleistung ins Menü der Kamera, da muss nichts umgebaut werden. Der eingebaute Kondensator 330V 130uF wurde durch einen 350V 10uF billigster Bauart ersetzt. Nach einiger Fummelei stellte sich heraus, dass hierfür das Gehäuse zersägt werden muss. Das ist nicht so schlimm wie es klingt, da der betreffende Teil eh nur aus Plastik ist und nichts hält.
Die Arbeitsschritte im einzelnen:
Da der letzte Fotoladen in Berlin pleite ist, musste ich zu MediaMarkt.
Die Beratung war natürlich zum Kotzen, aber die hatten genau einen Blitz für 120 Euro da:

Nach dem Anlernen funktioniert er nun einwandfrei, wenn seine Front die Kamera sieht.
Man kann ihn auch ausklappen und die Schiene an die Kamera schrauben. Auch dann geht er problemlos.
Zu Hause ging der Blitz unter allen Umständen,
im Laden mit zwei Blendenstufen mehr Helligkeit im Raum längst nicht so zuverlässig.

Efeu recht plastisch - Anordnung

Noch mehr Flaschen, Blitz angeschraubt, also direkt über der hochkant gehaltenen Kamera
Die Fotografen haben noch nicht mitbekommen, dass es Einstelllicht mit drei L heißt. Gemeint ist jedenfalls die kleine Funzel, die dem Fotografen die Kontrolle der Beleuchtung vor dem Auslösen erlaubt. Bei zwei Blitzen wird es kompliziert, aber ich habe ja nur einen.
Mit der Bohrmaschine kam ein Loch in die dimmbare Halogenleuchte, der Gewindeschneider machte die Sache etwas präziser. Der Blitz ist nun so angeschraubt, dass er bis auf den kleinen Versatz exakt das gleiche Licht abgibt wie der Spot. Man kann ihn auf einen Schirm, an die Decke oder direkt auf das Objekt der Begierde richten. Bei ausreichend geringer Umgebungshelligkeit ist die Ähnlichkeit der Belichtung mit und ohne Blitz erstaunlich.
Den fertigen Blitz stellte ich hinter mir an die Wand und richtete den Kegel auf die 20cm entfernte Tapete.
Die Wand war direkt am Blitz sehr hell und sorgte für gute Schatten, weiter außen wurde ein großer diffuser Anteil nutzbar.
Über die Entfernung zur weißen Fläche kann man die Härte der Schatten sowie den Diffusanteil einstellen.
Tux ohne Blitz im Vergleich zu Tux mit Blitz.
Blende 8.0, links ISO 1600 und 1/4 Sekunde, rechts ISO 200 und 1/100 Sekunde.
Beide Bilder sind ähnlich beleuchtet. Der Schatten wandert durch den Blitz etwas, wird härter, aber der Diffusanteil steigt.
Die Beleuchtung eignet sich gut für Personenaufnahmen, ist einfach aufzubauen, und das Ergebnis lässt sich gut vorhersagen.
Nach einiger Anwendung stelle ich fest, dass die umgebaute Kamera mit dem Servoblitz sehr viel Freude bereitet. Man kann immer bei rauscharmen ISO 100, kurzen Belichtungszeiten und beliebigen Blenden bleiben. Bei Portraits ist das gemütliche, dimmbare Halogenlicht vom Einstellicht sehr angenehm. In Wohnräumen löst der Blitz absolut zuverlässig aus, im Freien und in Hallen nicht.
Als negativ muss natürlich der nicht mehr nutzbare eingebaute Blitz gewertet werden. Das hat mich bisher aber noch nicht gestört. In der Handhabung ist schlecht, dass man die richtige Blitzstärke wissen oder ausprobieren muss. Eine Messung gibt es nicht. Da ich mit Vorliebe Blende 2.8 und ISO 100 nehme, kann der Blitz aber so eingestellt bleiben wie er ist.
Thomas Schmidt 31.8.2007